Eine prägende Konstruktion
Die Fassaden des CreaTower I leiten sich direkt aus der inneren Tragstruktur ab. Die inneren Stützenachsen werden zu äusseren Lisenen, zwischen denen sich die Fenster und Brüstungen spannen. Die Gewölbe sind in Form von gebogenen Fensterstürzen von aussen sichtbar. Ein Raster von vertikal und horizontal gefügten Bauteilen bestimmt die Fassaden und erinnert entfernt an Industriebauten. Die Verkleidung besteht aus vorfabrizierten, leichten Faserbetonelementen, deren rötliche Einfärbung sich von den Eternitverkleidungen der industriellen Bauten in der Umgebung ableitet.
Die fünfteiligen Gewölbe mit den Rippen an der Unterseite sind ausschliesslich auf Druck belastet und entsprechend schlank dimensioniert. Die Rippen zeigen die Verläufe der Druckkräfte in den Gewölben: von der horizontalen Deckenlast auf die vier Eckstützen. Dabei wirken die sternen- und kreisförmigen Rippen wie ein architektonisches Ornament und erinnern an gotische Gewölbe.
Der optimale Stützenraster ermöglicht möglichst flexibel nutzbare Grundrisse. Die asymmetrische Position des Kerns ergibt eine innere Co-Working-Zone, die umgeben ist von einem äusseren Kranz von fixen Arbeitsplätzen. Dadurch ergänzen sich das individuelle und gemeinschaftliche Arbeiten optimal.
Die Hochhäuser müssen in der städtebaulichen Setzung, der Volumenbildung und Materialisierung gut in den Kontext integriert sein, im Erdgeschoss erkennbare Adressierungen und öffentliche Nutzungen aufweisen und dem Quartier einen hochwertig gestalteten Freiraum anbieten.
Das dezidierte Einfordern von Nachhaltigkeit durch den Bauherrn ermöglicht innovative Lösungsansätze von Architekten und Fachplanern. Der CreaTower I ist diesbezüglich ein gutes Beispiel. Die Gewölbedecken verbrauchen 50 % weniger CO₂ als Flachdecken und das Gebäude erreicht mithilfe von CO₂ reduziertem Beton gesamthaft eine Reduktion von 32 %, obwohl mit zwei Parkierungsgeschossen der Anteil an unterirdischem Volumen gross ist. Die Fassaden bestehen aus Holzständerelementen mit leichten Faserbetonplatten als Verkleidungen. Die PV-Anlagen sind auf dem Dach und an den Fassaden maximiert.
Untergeschosse sind ein wesentlicher Treiber für den CO₂-Verbrauch in der Erstellung. Das heutige nachhaltige Gebäude verzichtet deshalb möglichst auf unterirdische Parkplätze. Das setzt neue Mobilitätskonzepte voraus, die die geforderte Parkplatzanzahl reduzieren, sowie innovative Lösungen, die oberirdische Parkierung in Kombination mit anderen Nutzungen für die Quartiere akzeptabel machen.
Wir sollten nur das bauen, was wir wirklich brauchen, das heisst die Raumprogramme immer wieder sorgfältig auf ihre Notwendigkeit überprüfen. Wir sollten das Bestehende möglichst erhalten, weiterverwenden und bei Bedarf intelligent erweitern. Wir sollten den Materialkreislauf ernst nehmen, neue Gebäude mit lösbaren Verbindungen konstruieren und Bauteile, wenn möglich, wiederverwenden. Wir sollten die Normen und Regeln vereinfachen, damit auch neue, innovative Lösungen eine Chance für Bewilligungen bekommen. Wir sollten in der Nachhaltigkeit weniger auf technische und mehr auf einfache, bauliche Konzepte setzen.