Fernziel: negative Emissionen
Studien zeigen, dass es nicht genügt, den Ausstoss von Treibhausgasen wie CO2 zu stabilisieren. Um das 1.5-Grad-Ziel zu erreichen, muss der Atmosphäre CO2 entnommen werden. Genau diesen Ansatz verfolgt der Verein zur Dekarbonisierung der Industrie mit einem Pilotprojekt im Tech Cluster Zug.
Die Reduktion von Treibhausgasen wie CO2 und die Produktion emissionsfreier Energie sind ein wichtiger Pfeiler unserer Nachhaltigkeitsstrategie. Aber unsere Anstrengungen gehen weiter: Für industrielle Prozesse auf dem Gelände des Tech Cluster benötigen wir Erdgas zur Wärmeproduktion. Erdgas besteht überwiegend aus dem energiereichen Methan, ein Gas, das ein hohes Treibhauspotenzial besitzt.
Der Verein zur Dekarbonisierung der Industrie (VZDI), gegründet vom Tech Cluster Zug und der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa, arbeitet daran, anstatt Erdgas zu verbrennen und damit CO2 zu bilden, das Methan im Prozess der Pyrolyse (thermo-chemische Zerlegung) in Wasserstoff und Kohlenstoff aufzuspalten. Dieser kann als Baumaterial oder in der Landwirtschaft wertstiftend verwendet und so in den Kreislauf zurückgeführt werden. Das Ziel ist, als Brennstoff anstatt Erdgas Biomethan zu nutzen, womit die CO2-Bilanz sogar negativ wird: Wir reduzieren Treibhausgase in der Atmosphäre.
Ende 2022 konnte die erste Methan-Pyrolyse Laboranlage als funktionierender Prototyp und Testanlage in Betrieb genommen werden. Zwei Jahre später wurde eine Methan-Pyrolyse Anlage mit Leistung von bis zu 10 kg Wasserstoff pro Stunde aufgebaut. Sie wird nun auf dem Tech Cluster in den Pilotbetrieb gehen und im ersten Quartal 2027 soll sie schliesslich als erste Industrie-Anlage im Hochtemperaturprozess in Betrieb genommen werden, mit der die Emaillieranlagen der V-ZUG beheizt und so 240 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr eingespart werden.
Die Arbeit des VZDI geht zusammen mit dem Kanton Zug und zahlreichen Unternehmenspartnern weiter: Der Pyrolyseprozess soll so optimiert werden, dass er dem Kreislaufgedanken sämtlicher Komponenten gerecht wird. Es sollen keinerlei Abfallprodukte entstehen, also nicht nur der Wasserstoff, sondern auch der Kohlenstoff und die Abwärme sollen optimal genutzt werden können. Das Pyrolyseverfahren soll industrietauglich werden und eine breite Anwendung finden.
Das Projekt der Pyrolyseanlage auf unserem Areal ist charakteristisch dafür, was wir mit dem Tech Cluster erreichen wollen: Jede neue Technologie bringt Aufmerksamkeit und Interesse, aber auch Talente, die sich in Projekten und Unternehmen in innovativen Ökosystemen engagieren wollen. Der Tech Cluster eröffnet dafür Raum. Das Projekt hat Unternehmen und Wissenschaftler von EMPA und ETH zusammengebracht, gemeinsam wird in unser Ökosystem investiert, sei es mit geistiger, technologischer oder finanzieller Unterstützung.
Das ist der Clustergedanke, der unseren Namen prägt. Wie mit der Produktion von Abwärme, Kälte und Strom, sollen sich, innerhalb des Tech Clusters und über dessen Grenzen hinaus, Nutzungen überlagern und ein gegenseitiges voneinander profitieren stattfinden. Auch soll der Tech Cluster Talente aus verschiedensten Disziplinen anziehen, die mit Wissen und Mut mithelfen, praktische Lösungen für die Herausforderungen unserer Gesellschaft und unseres Planeten zu finden.
Mehr zum Verein zur Dekarbonisierung der Industrie: vzdi.ch